Beschreibung
Nacherzählt und illustriert von Stefan Mart
In einem Dorfe der Provinz la Mancha lebte vor langer Zeit ein Landedelmann aus altem spanischen Geschlecht. In seinem Hause ging es ärmlich zu. Eine Olla zu Mittag, abends etwas kalte Küche, des Freitags Linsen und am Wochenende Arme-Ritter, vielleicht am Sonntag mal ein Täubchen oder Hühnerklein ? damit verbrauchte er fast drei Viertel seiner Einkünfte. Zu wissen ist, daß dieser Edelmann den größten Teil des Tages und der Nacht in seiner Kammer zwischen hohen Stößen von Büchern und vergilbten Folianten vergraben saß und seine Zeit mit Lesen alter Ritterromane, Helden- und Abenteurergeschichten verbrachte. Er las diese wunderlichen Dinge mit einer Ausdauer und Vertiefung, daß er häufig nicht nur Essen, Trinken und das Schlafen vergaß, sondern auch die Verwaltung seines kleinen Hab und Guts versäumte. Das größte Unglück war dabei, daß er die Sagen und Legenden für bare Münze nahm. Sein Kopf war voll von Kämpfen und Turnieren, von Lanzen und Schwertern, von Bezauberungen und Minneliedern, von Herausforderungen, Tod und Wunden, von Riesen und Drachen und vielem mehr, so daß er den Verstand verlor und verrückt. In seiner Verwirrung kam er zu dem Vorsatz, zum Heile der Welt ein fahrender Ritter zu werden und dabei selbst Ruhm und Ehre zu ernten. Er schwelgte ordentlich in dem Gedanken, Abenteuer aufzusuchen, Heldentaten auszuüben, unerhörte Schicksale und Gefahren zu bestehen, und zögerte nicht, seine hirnverrückten Entschlüsse zur Ausführung zu bringen.







